Chemie weiterdenken 2026!

Ein neues Jahr beginnt, auch für die deutsche Chemieindustrie. Wir wollen den Start ins neue Jahr nutzen, um vorausschauend auf die drei von der Advanced Foresight Group auf die Beine gestellten Online-Veranstaltungen der Reihe „Chemie weiterdenken“ zurückzublicken (die Berichte zu den drei Veranstaltungen finden Sie hier). Was haben wir gelernt und was machen wir 2026 daraus – gemeinsam mit der Branche?

Ein neues Jahr beginnt, auch für die deutsche Chemieindustrie. Wir wollen den Start ins neue Jahr nutzen, um vorausschauend auf die drei von der Advanced Foresight Group auf die Beine gestellten Online-Veranstaltungen der Reihe „Chemie weiterdenken“ zurückzublicken (die Berichte zu den drei Veranstaltungen finden Sie hier). Was haben wir gelernt und was machen wir 2026 daraus – gemeinsam mit der Branche?

2025 – was haben wir gelernt?

Dialog, Partizipation, und direkter Austausch sind anstrengend – aber lohnen sich

Beteiligungsorientierte Veranstaltungen wie die drei hier erwähnten Advanced Foresight Group Online-Events sind voraussetzungsvoll und zeitintensiv. Nicht nur auf der Seite der Veranstaltenden, sondern auch auf der Seite der Teilnehmenden. Aber sie lohnen sich. Allgemeines Wissen um die Probleme in der Branche ist reichlich vorhanden, die Standard-Herausforderungen Fachkräftemangel, Energiekosten, Verfügbarkeit von Rohstoffen etc. lassen sich schnell zusammenfassen, dank KI schneller als jemals zuvor. Aber in der konkreten Situation und vor Ort unterscheiden sich mögliche Lösungsansätze deutlich – und diese konkrete Situation wird nur durch die Beteiligung der Praktiker und Praktikerinnen erfahrbar. Die Veranstaltungen haben maßgeblich von der regen Beteiligung gelebt und dafür an der Stelle nochmal ein sehr herzliches Danke an alle Vortragenden, Diskutierenden, aber auch an die, die einfach nur dabei waren.

Von traditionellen Produktionsstandorten zu dynamischen Start-ups

Die Chemiebranche ist systemrelevant im wahrsten Sinne des Wortes – und facettenreicher als viele andere Branchen. Die Chemie ist vielleicht die heterogenste Branche der bereits wenig homogenen deutschen Wirtschaft. Von großen Chemie-Riesen mit langer Geschichte, umfangreichen Produktportfolios und bewährten Produktionsstandorten bis zu extrem spezialisierten und am Rande des technisch Möglichen operierenden Start-ups war in unseren Veranstaltungen alles vertreten. Eine derartig heterogene Klientel stellt bereits an die inhaltliche Vorbereitung einzelner Veranstaltungen ganz besondere Ansprüche. Die Arbeit der einschlägigen Dachverbände und Interessenvertretungen, die ja die vielfältigen Interessen ihrer Mitglieder reflektieren müssen, ist entsprechend um ein Vielfaches komplexer. In unseren Veranstaltungen wurden sowohl gemeinsame Interessen der Branche, aber oft auch Gegensätze offenbar. Es wird sich lohnen, neben Veranstaltungen „für das große Ganze“ auch über Formate nachzudenken, die auf spezielle Zielgruppen zugeschnittenen sind. In Letzteren kann auch der Instant-Foresight-Radar für die Chemie, der in der Veranstaltung „Chemie weiterdenken 2“ kurz und knapp vorgestellt wurde, sein volles Potenzial entfalten (Details hier).

Vom „So haben wir das immer gemacht“ zum „Wir können auch anders“

Beharrungskräfte, Lock-ins und Risikoaversität finden sich leider auch in der Chemiebranche. Zwar waren, was bei Veranstaltungen wie den unsrigen glücklicherweise in der Natur der Sache liegt, eher aufgeschlossene, zukunftsorientierte und für neue Lösungen offene Akteur:innen dabei, aber die Branche leidet an vielen Stellen deutlich unter starken Beharrungskräften. Vielerorts wird noch oft auf ein „Zurück zum Modell ‚billiges Erdgas und niedrige Emissionskosten‘“ gesetzt – allen neuen politischen Realitäten, steigenden klimawandelbedingten Risiken und wissenschaftlichen Fortschritten zum Trotz. Oft klingt es auch eher nach „Der Staat soll es richten – irgendwie“ statt nach „Unser Geschäftsmodell wird zukunftsfest gemacht – wir überlegen genau jetzt wie genau“. Neue Produktionsverfahren und Materialien werden an vielen Stellen eher skeptisch betrachtet, die Potenziale von Stoffkreisläufen nicht anerkannt oder, Stichworte Wasserstoff oder Dekarbonisierung, der schwarze Peter für nicht stattfindende Anpassungen zwischen Industrie und Politik hin und her geschoben. Die Gefahr – Stichworte deutsche Automobilindustrie und elektrische Antriebe –, dass anderen Ortes die entscheidenden neuen Verfahren und Technologien zuerst in Produktion gehen und folgend auch in den globalen Wettbewerb kommen, ist auch in der Chemie real. Dabei hat sich in unseren Veranstaltungen an vielen Stellen gezeigt, wie viel Potenzial in der deutschen Chemiebranche vorhanden ist. Das reicht von agilen Start-ups bis zu etablierten Standorten, die z. B. gerne mit Wasserstoff als Energielieferant oder Ausgangsmaterial in der Produktion arbeiten würden – wenn man über ihn vor Ort zu passenden Konditionen verfügen könnte. In dieser Umbruchphase die richtigen Anpassungen an das Geschäftsmodell und die Produktentwicklung vorzunehmen, ist nicht nur für die einzelnen Unternehmen zentral, sondern auch für deren regionale und internationale Verbände und letztlich auch für Verwaltung und Politik. Konkrete Lösungen für einzelne Akteur:innen konnten realistischerweise von unseren kurzen und allgemein gehaltenen Veranstaltungsformaten nicht erwartet werden – können aber bei Bedarf gerne zusammen angegangen werden. Melden Sie sich gerne bei uns !

Plastik ist doof, aber der Kunststoffkreislauf ist super

Gleich in der ersten Veranstaltung (hier die Zusammenfassung) zeigte sich ein spannender Diskussionspunkt, der in allen drei Veranstaltungen angesprochen wurde: Das schlechte öffentliche Image der Chemie-Branche, was hier verkürzt unter „Plastik ist Müll“ zusammengefasst wird. Gerade hier sind Geschäftsideen wie die von Aevoloop, in der dritten Veranstaltung (hier die Zusammenfassung) von Dr. Timo Witt von Aevoloop vorgestellt, zukunftsweisend. Aeveloop will wortwörtlich aus Plastikmüll Rohstoffe machen. Viele Akteur:innen in der Abfallwirtschaft denken in die gleiche Richtung: Wie werde ich von einem Entsorger zu einem Rohstoffproduzenten? Wichtig an dieser Stelle ist sicherlich auch der europäische Aspekt. In Zeiten, in denen die Risiken immer deutlicher werden, die mit externen Abhängigkeiten einhergehen, werden Lösungen wertvoll, die mit dem arbeiten, was man bereits hat.

2026 – was wollen wir erreichen?

Wie das schlechte Image der Branche angegangen werden kann, ist sicherlich auch im Jahr 2026 ein spannendes Thema. Auch die Möglichkeit, sich mittels neuer Namensgebungen, Stichwort Life Sciences, positiv abzugrenzen, hat ihre funktionalen Grenzen. Dabei sind die positiven Wirkungen der Chemie aus dem Alltagsleben der Menschen nicht wegzudenken. Was heute allerdings notwendig ist, ist ein verändertes Denken, weniger linear, vom Rohstoff über das Produkt hin zur Entsorgung, und weniger Silo-artig, von „Ich mache Produktion“ oder „Ich mache Entsorgung“ hin zu – in Ermangelung eines besseren Begriffs – Kreislaufdenken. Potenziale für eine ökonomisch profitable und ökologisch tragbare Transformation sind vorhanden. Ein anschauliches Beispiel wurde von Carsten Franzke, Geschäftsführer der SKW Stickstoffwerke Piesteritz, in unserer ersten Veranstaltung „Chemie weiterdenken 01“ beschrieben. Mit den richtigen Produktionsverfahren und Ausgangsstoffen könnten sich die SKW Stickstoffwerke Piesteritz von einem C02-Emittenten zu einem „CO2-Absorber“ entwickeln. Um die notwendigen Anpassungen zeitnah umzusetzen, müssen jedoch nicht nur interne Widerstände und finanzielle Hürden genommen werden, sondern auch die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen stimmen. Die Advanced Foresight Group unterstützt gerne, in derartig komplexen Gemengelagen zukunftsfeste Strategien zu entwickeln.

Digitalisierung: Ja, aber…

Spannend bleibt auch das Thema Digitalisierung, vor allem mit Blick auf die Anwendung künstlicher Intelligenz. Der erste Hype ist vorbei. Übersetzungen müssen nach wie vor von Menschen kontrolliert werden. Auch die Idee, vorhandene Reports und Exceltabellen schnell in eine KI-Anwendung zu kippen, um sich per Knopfdruck neue Dimensionen der Unternehmensanalyse zu erschließen, wurde enttäuscht. Damit ist das Thema KI aber nicht erledigt. Im Gegenteil: Wo genau kann mein Unternehmen KI wie einsetzen, welche Potenziale lassen sich mit welchen Mitteln erschließen und wo steht eigentlich die Konkurrenz? Das sind Fragen, die besser noch 2026 als in den Folgejahren geklärt werden. Auch hier bietet die Advanced Foresight Group exzellentes Fachwissen, um konkrete Digitalisierungsstrategien zu entwickeln und zu implementieren. Gerade der oben bereits erwähnte Instant-Radar stellt hier ein so erprobtes wie leistungsfähiges Instrument dar.

Von neuen digitalen Formaten und bewährten Veranstaltungen

Neue technische Möglichkeiten ermöglichen, neue Denkhorizonte zu eröffnen. Besonders spannend fanden wir die neue Online-Plattform, die wir in der Veranstaltung „Chemie weiterdenken 03“ testeten. Dieses Format förderte besser als alles andere den direkten Austausch zwischen den Teilnehmenden – nachdem man sich daran gewöhnt hatte, sich in dessen virtueller Konferenzhalle fortzubewegen. Nicht alles Neues klappt, schon gar nicht auf Anhieb. Nicht jede Methode, die offline gut funktioniert, ist auch online zu empfehlen, und was für die Automobilbrache oder ein Bundesministerium passt, muss für die Chemiebranche nicht passend sein. Spannend war für uns die Arbeit mit Szenarien in „Chemie weiterdenken 01“ – online eine veritable Herausforderung. Trotzdem gab es spannende Ergebnisse, die einen ersten Eindruck von den Möglichkeiten der Szenarientechnik boten – auch wenn wir in der Kürze der Veranstaltung von der Ebene der möglichen Zukünfte kaum in Richtung konkrete Handlungsempfehlungen vordringen konnten. Wir denken deshalb aktuell darüber nach, ob wir im Jahr 2026 ein Szenarien-fokussiertes Format ganz old-school bei einer klassischen Vor-Ort-Veranstaltung anbieten sollten, um mit mehr Zeit und Ruhe zu tieferen Erkenntnissen zu gelangen.  Kontaktieren Sie uns jederzeit gerne, wenn Sie hierzu Anregungen habenierzu mit uns teilen möchten.

Gerade bereiten wir mit Leidenschaft die nächsten Veranstaltungen der Reihe „Chemie weiterdenken“ vor. Wir freuen uns darauf, die begonnenen Gespräche verstärkt in Richtung konkreter Strategien und Lösungen weiter zu führen.

Bild von Vilius Kukanauskas auf Pixabay